Vielfalt in Wuppertal

Mit der Kampagne „160 Nationen in Wuppertal“ hat die Integrationsagentur der Diakonie in der vergangenen Interkulturellen Woche auf die Vielfalt in der Stadt aufmerksam gemacht. Mehr über die Ziele der Kampagne verraten Arzu Aktas von der Integrationsagentur und André Thielmann von den Migrationsdiensten im Interview.

Kinder der Kita Holzer Straße formen die "160 Nationen" aus Fahnen.

Was bedeutet die „160“ für Sie?

Arzu Aktas: Die 160 ist ein Abbild für die Vielfalt in unserer Stadt. Mit der Zahl sind unheimlich viele Facetten verbunden. Und darum kann uns die 160 auch ein wenig stolz machen.

André Thielmann: Wuppertal ist wie eine Welt im Kleinen. Insgesamt gibt es weltweit 205 Nationen. Die 160 Nationen sind längst Realität und Normalität in unserer Stadt. Die vielen verschiedenen Nationen zeigen auch, dass Deutschland längst bunt ist. Die Diskussion, ob wir ein Einwanderungsland sind, wie sie immer wieder angestoßen wird, ist damit längst hinfällig.

 

Wie und wo macht sich die Vielfalt der Nationen in Wuppertal konkret bemerkbar?

Arzu Aktas: In der Nordstadt und dort vor allem am Ölberg leben viele Nationen in ganz unterschiedlichen Altersgruppen zusammen. In der Evangelischen Kita Am Wichelhausberg beispielsweise werden Kinder aus 17 Nationen betreut, viele von ihnen wachsen zweisprachig auf. Und das funktioniert meistens ganz wunderbar. Diese Kita und auch die Schulen vor Ort sind ein Abbild der 160 Nationen. Wenn man auf der Nordbahntrasse unterwegs ist, trifft man dort ganz selbstverständlich Menschen aus allen Stadtteilen und Nationen.

André Thielmann: Auch in der Gastronomie vor Ort ist die Vielfalt an internationalen Spezialitätenrestaurants sehr groß. Am Wupperfelder Markt gibt es beispielsweise sehr viele griechische Restaurants. Außerdem ist Wuppertal außerhalb von Corona bekannt für seine Veranstaltungen wie das Luisenfest, das Ölbergfest oder das Bleicherfest. Überall dort ist Vielfalt Normalität.

 

Warum machen Sie als Integrationsagentur die Aktion?

Arzu Aktas: Viele Menschen in der Stadt wissen gar nicht, wie viele unterschiedliche Nationen hier leben – das hat eine kleine Umfrage gezeigt, die wir vorher gestartet haben. Geschätzt wurden maximal 40 oder 50 Nationen. Darum wollen wir die beachtliche Zahl bekannt machen und im Rahmen der Interkulturellen Woche die Themen Migration und Integration in die Öffentlichkeit bringen.

André Thielmann: Und wir wollen zur Diskussion über das Thema anregen. Es sind eben nicht nur zwei oder drei Gruppen oder Religionen, die in unserer Stadt vertreten sind.Und es kommt gar nicht zu so großen Spannungen unter diesen Gruppen.

 

Was sind Chancen Vielfalt in Wuppertal?

Arzu Aktas: Die kulturelle Vielfalt ermöglicht uns allen spannende Einblicke in andere Länder. Man muss sich nur darauf einlassen.

André Thielmann: Und dabei gibt es viel mehr Gemeinsamkeiten als man auf den ersten Blick denkt.

 

… und was sind die Herausforderungen?

Arzu Aktas: Sicherlich das Thema Chancengleichheit für alle. Die Frage, wie es uns gelingt, dass alle Lebensbereiche von allen gleich genutzt werden: Arbeitsmarkt, Wohnungsmarkt und soziale Einrichtungen. Wir dürfen nicht nur in Kategorien denken, sondern müssen unseren Blick erweitern. So sollte zum Beispiel ein Deutscher oder ein Türke nicht nur in die Schublade Christ bzw. Moslem gesteckt werden, sondern wir müssen das Individuum mit seinen Stärken und Schwächen in den Blick nehmen.

André Thielmann: Für alle Nationen ist die Vielfalt eine Herausforderung. Die einzige Chance, Vorurteile abzubauen, ist ein gegenseitiges Kennenlernen. Also liegt die größte Herausforderung darin, Begegnungen zu schaffen.

 

Was bedeutet die Vielfalt für die Wohlfahrtspflege?

André Thielmann: Wir müssen immer wieder unsere Zielgruppe in den Blick nehmen und unsere Angebote dementsprechend anpassen, so dass wir auch wirklich möglichst viele Menschen erreichen. Dafür ist es wichtig, dass sich die  Vielfalt auch in der Mitarbeiterschaft der Diakonie widerspiegelt. Viele der christlichen Werte, die uns als Diakonie wichtig sind, sind universell und gelten auch in anderen Religionen.

 

Vielen Dank für das Gespräch. Das Interview führte Nikola Dünow.

 

Infokasten

  • Arzu Aktas ist Mitarbeiterin in der Integrationsagentur der Diakonie, André Thielmann ist stellv. Abteilungsleiter der Migrationsdienste

  • Die Integrationsagenturen des Landes NRW fördern die Integration von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte. Die Integrationsagentur der Diakone Wuppertal stößt Projekte an, aktiviert Menschen, die sich für Integration einsetzen und vernetzt die gemeinsame Integrationsarbeit in der Stadt. Sie wird gefördert vom Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen

  • Unter dem Motto „160 Nationen in Wuppertal – zusammen leben, zusammen wachsen“ beging die Diakonie Wuppertal die bundesweite Interkulturelle Woche (27. September bis 4. Oktober)

  • Ein Aktionsplakat mit der „160“ wurde an möglichst vielen Orten in der Stadt aufgehängt und die Wuppertaler zum Mitmachen aufgerufen.