Spuren des Friedens im Gefängnis

Ein Beitrag zur Jahreslosung von Ulrike Hollander, Seelsorgerin in der JVA Ronsdorf.

Suche Frieden und jage ihm nach

Ich bin ein Fan dieser Jahreslosung! Sie ist dynamisch und klar, da weiß man doch was zu tun ist in dieser orientierungslosen Welt! Im Gefängnis Frieden zu suchen, ist nun allerdings eine echte Herausforderung!

Denn der Frieden scheint genauso flüchtig zu sein, wie z.B. das Glück. Ein falsches Wort, ein falscher Blick und der oberflächliche Friede auf dem Hof, auf der Abteilung ist dahin.

Eine missglückte Redewendung im Rahmen der einen Stunde Besuch und der jugendliche Inhaftierte muss für mindestens eine Woche, oder eben bis zum nächsten Besuch mit der Ungewissheit, den Fragen, dem inneren Unfrieden in der Anstalt zurechtkommen – allein auf dem Haftraum, im Getümmel der Freistunde oder bei der Arbeit.

Er kann nicht eben mal anrufen und klären, was ihn beschäftigt, er kann nicht irgendwo hingehen.

Und wie macht man Frieden mit einem Urteil, das einen für Jahre wegsperrt, oder einer Tat, die kaum zu ertragen ist?

Frieden finden, in einem Mikrokosmos von 450 jungen Männern mit zum Teil erheblichem Aggressionspotential, mit schwierigen Lebensgeschichten, und mit zuweilen genauso schwierigen Lebensentwürfen?

Es braucht eine Entscheidung! Wonach suche ich, wofür setze ich mich mit Jagdeifer in Bewegung.

Mein Königspudel, der mich im Gefängnis begleitet, nimmt eine interessante Spur sofort mit Jagdeifer auf.

Im Hundetraining nennt man das „trailen“. Die Trainerin legt eine Spur und die Hunde müssen, über kleine oder auch große Distanzen einen Gegenstand, oder auch einen Menschen finden.

Die Jahreslosung brachte mich auf eine Idee: Mit den Jugendlichen, die in unsere Gottesdienste kommen, könnten wir ein kleines Projekt starten: „Peace-trailing“.

Die Herausforderung besteht darin, bewusst die Spur der kleinen und größeren Friedenszeichen, -gesten, -situationen, -zeiten wahrzunehmen.

Die Jugendlichen bekommen ein kleines Heft und in den Wochen der Passionszeit können sie darin Spuren des Friedens eintragen. Also statt „sieben Wochen ohne“ starten wir die Aktion „sieben Wochen mit“.

Es braucht eine Entscheidung, egal in welchem Kontext ich lebe: Wonach suche ich, wofür setze ich mich in Bewegung. Wohin richte ich mein Augenmerk.

Unfrieden ist schnell gefunden. Nur: Frieden gibt es auch! Den zu finden bedeutet, eine andere Haltung zu sich selbst, zu anderen, zu dieser Welt zu finden – eine friedlichere.

Ulrike Hollander
Seelsorgerin in der JVA Ronsdorf
Archivfoto: Kirchenkreis

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