Lean on me – Kraft schöpfen und geben

Digitale Andacht mit Pfarrer Martin Gebhardt. Die Reihe unserer Online-Andachten gibt Halt und Mut in dieser schweren Zeit der Corona-Pandemie.

„Sometimes in our lives we all have pain
We all have sorrow
But if we are wise
We know that there’s always tomorrow

Lean on me, when you’re not strong
And I’ll be your friend
I’ll help you carry on
For it won’t be long
’Til I’m gonna need
Somebody to lean on …“

Bill Withers, der Autor und Sänger dieser Zeilen, ist in der vergangenen Woche gestorben. In klaren einfachen Worten drückt er aus, worauf es ankommt:

Lehn’ dich an mich, wenn du mal nicht stark bist, dann werde ich dein Freund sein und dir helfen weiterzukommen. Vielleicht dauert es nicht lange und dann bin schon ich es, der deine Hilfe braucht.

Auch in der derzeitigen Situation ist es ja so, dass wir unterschiedlich empfinden, vielleicht auch weil die Bedingungen verschieden sind. Dem einen fällt zuhause die Decke auf den Kopf und er muss sich darauf einstellen, dass er zur Untätigkeit gezwungen ist. Die andere hat mehr Arbeit als zu „normalen Zeiten“, muss unter erschwerten Bedingungen versuchen, das Beste zu geben und vielleicht auch noch die „Computer-Zeit“ der Kinder begrenzen. Auch die Gefühlslage ist nicht so stabil. Mal gelingt es, die Ängste und Sorgen außen vorzulassen, mal scheinen sie zu lähmen.

Jede braucht irgendwann Hilfe – eine, die Unterstützung anbietet, Mut macht, zuhört. Keiner ist immer nur der Starke.

Wir befinden uns in der letzten Woche der Passionszeit. Die sogenannte „Stille Woche“ – nie erschien sie so still wie jetzt.

Wir erinnern uns an die letzten Lebenstage Jesu, z.B. die Nacht vor seiner Verhaftung: Jesus hatte Angst. Und er fühlte sich allein gelassen.

„Traurigkeit und Angst wollten Jesus überwältigen, und er sagte zu ihnen: »Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht mit mir!« [...] Als er zu den Jüngern zurückkam, schliefen sie. Da sagte er zu Petrus: »Ihr konntet also nicht einmal eine einzige Stunde mit mir wach bleiben?«“ (aus Matthäus 26, 37– 40)

„Bleibt hier und wacht mit mir!“ – so bittet er seine Freunde. Doch die flüchten sich in den Schlaf. Es verunsichert, wenn der, der sonst immer geholfen hat und einen Ausweg kannte, nun selbst an seine Grenzen kommt.

Lehn dich an mich, im Moment habe ich Kraft, morgen werde vielleicht ich Hilfe brauchen. In Zeiten wie diesen, tut es gut, wenn wir wechselseitig Hilfe anbieten und annehmen können, wenn wir spüren, wir sind nicht allein. Und:

„if we are wise we know that there’s always tomorrow“
„wenn wir weise sind, wissen wir, es gibt immer ein morgen“
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Bleiben Sie behütet und Gott befohlen!

Martin Gebhardt