Ehrensache Ehrenamt: Vormünder geben Halt und Unterstützung

In Wuppertal leben 80 geflüchtete Kinder und Jugendliche. Hartmut Baust hat als ehrenamtlicher Vormund jugendliche Flüchtlinge begleitet.

Ein Artikel der Westdeutschen Zeitung ließ Hartmut Baust im Jahr 2011 aufhorchen: „Flucht vor Gewalt, Armut und dem Leben als Kindersoldaten“, hieß es. Väter von minderjährigen Flüchtlingen wurden in „Afghanistan von den Taliban ermordet, oder sie fliehen vor einem Leben als Kindersoldaten in Afrika. 15-jährige Jungen werden von Schleppern über die Grenze gebracht und sind plötzlich ganz auf sich alleine gestellt“, so der Artikel weiter. Das Schicksal der dort beschriebenen Kinder berührte Hartmut Baust, woraufhin er sich an das Projekt „Do it“ des Migrationsdienstes der Diakonie Wuppertal – Soziale Teilhabe wandte.

„Do it“ qualifiziert und begleitet ehrenamtliche Vormünder für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, um eine optimale Interessensvertretung und eine bestmögliche Wahrung des Kindeswohls zu gewährleisten. Mit Beginn des Ruhestands suchte Hartmut Baust neue Herausforderungen durch ein ehrenamtliches Engagement. „Ich wollte nicht die alltägliche Begleitung und Betreuung übernehmen, sondern für eine gute Integration sorgen und mich dabei für die Interessen und Rechte der Jugendlichen stark machen“, sagt Baust, dessen Aufgabe es als Vormund ist, darauf zu achten, dass sein Mündel, wie es im Amtsdeutsch heißt, eine Schulbildung und notwendige medizinische Versorgung erhält, angemessen untergebracht ist und eine aufenthaltsrechtliche Klärung erfolgt. Die Jugendlichen kommen nach einer aufwühlenden Reise in Wuppertal an, meist aufgegriffen von der Bundespolizei. „Sie kommen in die Obhut eines städtischen Jugendamtes, verstehen die Sprache nicht und sind mutterseelenalleine. Ein neues Umfeld, fremde Menschen, Behörden, Rechtsnormen – all das schreit nach Anleitung und Unterstützung“, meint Hartmut Baust.

Baust übernahm die elterliche Sorge für einen Jugendlichen, der zuvor vier Monate auf der Flucht von Afghanistan bis ins Bergische war. Er lebte, wie alle geflüchteten Kinder und Jugendlichen, in einer Jugendhilfeeinrichtung. Die Jugendlichen werden durch ihren Vormund unterstützt bei schulischen Belangen, möglichen Problemen in der Wohngruppe und bei der Gestaltung von Freizeitaktivitäten. So hat Hartmut Baust seinem Mündel auch beim Erlernen der deutschen Sprache geholfen und einen Sportverein für die soziale Vernetzung gesucht. Selbst benötigte er als Vormund auch Hilfe: „Es ist eine herausfordernde Aufgabe einen Asylantrag zu stellen. Ohne die Hilfe von Profis ist das nicht vorstellbar.“ Aus diesem Grund werden die Vormünder von der Diakonie geschult und begleitet. Katrin Löffelhardt arbeitet für das Projekt „Do it“ und ist seit dem Start 2007 dabei: “Unsere Vormünder haben ein sehr verantwortungsvolles Ehrenamt inne. Das wissen wir sehr zu schätzen. Alle kümmern sich und entscheiden zum Wohl des Kindes und machen das hervorragend“. Die stabilisierende Unterstützung schaffe positive Erlebnisse, die die Beziehung zwischen den Jugendlichen und ihren Vormündern stärke. Dabei sei die Begleitung nicht immer leicht. Die Jugendlichen kommen mit einem großen Druck der Familien nach Deutschland, gelten als Hoffnungsträger. Schlepper versprechen ihnen eine bessere Welt in Europa, die Realität ist eine andere. Das erfordere nicht nur eine hohe Frustrationstoleranz bei den Jugendlichen, sondern auch bei den Vormündern.  

Für Hartmut Baust bleiben Erlebnisse unvergessen, in denen die Beziehung zwischen ihnen enger wurde: „Als er zum ersten Mal durch eine SmS Kontakt zu seinen Eltern nach 1,5 Jahren hatte“, erinnert sich Hartmut Baust. „Das waren Emotionen pur!“. Obwohl sein Mündel heute volljährig ist und die Vormundschaft damit beendet ist, hat Hartmut Baust einen engen Kontakt zu ihm aufrechterhalten: „Er ist hervorragend integriert, hat hier in Wuppertal seinen Schulabschluss geschafft und steht in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis, zahlt Steuern und Beiträge zur Sozialversicherung“, sagt Hartmut Baust stolz und rät Interessierten: „Lasst euch auf die Jugendlichen ein. Man selbst bekommt unfassbar viel zurück und lernt eine Menge über sich selbst.“

 

Diakonie-Projekt Do it

„Do it“ qualifiziert und begleitet ehrenamtliche Vormünder für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Das Projekt der Diakonie Wuppertal – Soziale Teilhabe gibt es seit 2007, es wird von der EU gefördert. Ab dem 14. März wird eine neue Gruppe ehrenamtlicher Vormünder beginnen. Interessierte sind herzlich eingeladen am 02. März 2020 um 18.00 Uhr zum Migrationsdienst in der Elberfelder Straße 87.

Kontakt:

Diakonie Wuppertal – Soziale Teilhabe, Migrationsdienst Tel.: 0202 / 269 21 - 100, E-Mail: kloeffelhardt@diakonie-wuppertal.de